Wie ist das Leben in Italien?

Wer träumt nicht davon im Sehnsuchtsland Italien zu leben? Sonne, ein tolles Leben, Dolce far niente und tanto amore


Dass es nicht immer so ist und dass die italienische Realität etwas anders ist, darum geht es im heutigen Blogartikel.



Die Leichtigkeit der Italiener spüren … ops!

Du stellst es dir so vor, dein Leben in Bella Italia:


Wenn du morgens aufwachst, blinzelt die Sonne durch die Jalousie oder durch das Fenster (denn nachts ist es heiß in Italien und da schläft keiner mit geschlossenem Fenstern) und weckt dich.


Du schlurfst in die Küche und machst dir einen Caffè Latte mit der Moka. Das Brioche hast du dir schon am Vortag geholt und jetzt ziehst du dich schnell an und danach wird erstmal italienisch gefrühstückt.


Anschließend rast du zur Bushaltestelle und wartest auf den Autobus. Und wartest … und wartest. 10 Minuten später als geplant kommt der Bus und der Busfahrer hat die Ruhe weg. Merda! Du kommst zu spät zum Termin. Che figura!


Endlich stehst du an der Rezeption des Unternehmens, wo du dein Bewerbungsgespräch hast. Du gehst dorthin und stotterst auf einmal im einfachen Italienisch, dass du ein Gespräch mit Dottore Mario Rossi hast.

Die Receptionist, perfekt geschminkt und frisiert, schaut dich mit hochgezogenen Augenbrauen an und weißt mit leichtem Nicken auf dein Revers vom Blazer. Du schaust dort hin und bemerkst einen Fleck … von dem Caffè Latte. Warum hast du auch in voller Montur gefrühstückt??? Das würde einer Italienerin nie passieren … denkst du. Jetzt freut sie sich wie Bolle die blöde Kuh, … denkst du.


Sie meldet dich bei Dottore Mario Rossi an und bittet dich im Foyer Platz zu nehmen. Und ob du noch einen Caffè möchtest? “No grazie. Molto gentile, ma preferisco di no.” Du solltest wissen, dass es der Job einer Rezeptionistin ist, einen Caffè anzubieten. Das gehört zum guten Ton eines jeden italienischen Unternehmens.


Das zum Thema der Leichtigkeit in Italien.



Die Italiener arbeiten doch so la-la

Dottore Mario Rossi fand dich also sehr charmant mit deinem Caffè Latte Fleck auf dem Revers deines Blazers und du hast das OK bekommen. La tedesca inizia il prossimo mese (Die Deutsche beginnt nächsten Monat).


Die männlichen Kollegen sind mega euphorisch und der weibliche Anteil verdreht schon die Augen. Du must wissen, dass die deutschen Frauen ein Mythos-Status-Symbol in Italien haben. Frag mich nicht warum, … ich finde es bis heute bemerkenswert.


Der grosse Tag ist gekommen und du hast schon schweißnasse Hände. Wie das wohl so sein wird, in einem italienischen Unternehmen zu arbeiten?


Diesmal hast du dich vorbereitet: Caffè Latte und Brioche im Nachthemd, anziehen und dann schminken. Den Bus nimmst du rechtzeitig.


Du kommst zeitig beim Unternehmen an, um 8.25 Uhr, sogar früher als geplant. Nur die Kollegen und auch die blöde Kuh von Rezeptionistin sind einen Tick zu spät. 5 Minuten um genau zu sein.


Also stehst du dann da und sagst zu ihnen: “E’ il mio primo giorno oggi. Piacere Anna.” (Es ist mein erster Tag. Freut mich, Anna.) Und die blöde Kuh mit einem Lächeln: “Si lo so. Mi ricordo di lei. Piacere mio, Simona.” (Ja, ich weiß. Ich erinnere mich an Sie. Freut mich ebenfalls, Simona.) Wow, die blöde Kuh ist ja nett.


Die männlichen Kollegen die ebenfalls zu spät waren, stehen immer noch da und starren dich an, als wärst du ein Alien. Und Simona, die nette Rezeptionistin, sagt zu ihnen: “Ma cosa fate ancora qui? Non avete mai visto una bella ragazza tedesca?” (Ja, was macht ihr denn noch hier? Habt ihr noch nie eine hübsche Deutsche gesehen?)


Simona macht die Rezeption klar Schiff und alle Lichter an. Dann ruft sie jemanden an und 5 Minuten später kommt der Abteilungsleiter und dein neuer Vorgesetzter, um dich an deinen neuen Arbeitsplatz zu bringen. Er empfängt dich mit: “Benvenuta da noi Anna. Va tutto bene?” (Herzlich willkommen bei uns Anna. Alles gut?) und du ganz höflich: “Si grazie mille. Va tutto bene.” Und er, er heißt übrigens Luigi, sagt: “Bene! Prendiamo un caffè e facciamo qualche chiacchierata.” (Gut! Trinken wir einen Caffè und unterhalten uns etwas.)


La pausa caffè dauert 10 Minuten und er hat dir alles erklärt. Wie das Büro strukturiert ist, was die Aufgaben sind etc. Dann gehen sie ins Büro und du wirst deiner Kollegin Arianna vorgestellt. Luigi: “Arianna, fai vedere tu tutto all’ Anna. Tutte le procedure … sai no?!” (Arianna zeig Anna alles. Alle Prozeduren … du weißt schon?!)


Und so beginnt dein erster italienischer Arbeitstag und um 17.30 Uhr, wenn dein Arbeitstag beendet ist, raucht dir der Kopf. Und du hast das Gefühl, dass du die Handwerker im Kopf hast.


Zum guten Schluss klopft noch einer von den starrenden Kollegen an die Tür und fragt dich, ob du mit zum Aperitivo kommst? Und jetzt hast du das Gefühl ein Alien zu sehen.


Die Italiener arbeiten so la-la … si si.



Die Wohnungssuche

Als du dich dazu entschlossen hast, endgültig nach Italien zu ziehen, war der erste Punkt auf deiner Liste die Wohnung. Naja, … oder eben ein Dach über dem Kopf.


Also Google und das Internet durchforsten. Und was du dann siehst, lässt dich ein bisschen Gänsehaut bekommen. Denn die Wohnungen entpuppen sich als relativ teuer. Und in Relation bieten sie nicht das was du erwartest hast.


Haben sie in den Wohnzeitschriften nicht immer die Wohnungen gezeigt, wie die Italiener so leben??? Ja, … das zeigen sie immer gerne. Das sind allerdings auch Wohnungen von Menschen, die das Geld und den Sinn für schönes Design haben. Und letztendlich ist die Schönheit eines Gegenstandes, ob Design oder auch nicht Design, immer subjektiv im Auge des Betrachters.


Die Masse des italienischen Volkes, hat auf jeden Fall ein Gefühl für Schönes. Das sagen sie ja auch sehr oft: “Ma che bella!”


Kommst du dann aber zu dem Punkt, dass du dir eine Wohnung in Italien suchen musst … tja, dann musst du leider sehr oft Abstriche machen.


Die meisten Wohnungen, die hier zur Miete angeboten werden, sind möbliert. Das sind Möbel, die meist noch von den Eltern oder Großeltern sind. Eben antike und stabile Möbel die fürs Leben halten. Und sie werden auch nicht bei jedem Mieter ausgewechselt. Sie bleiben drin und werden dann eben ordentlich sauber gemacht. Oder aber die Bezüge des Sofas und der Stühle werden ausgetauscht. Die Matratzen werden evtl. ausgetauscht. Wobei du dir nie sicher sein kannst. Es gibt allerdings auch viele, wo die Matratzen nicht vorhanden sind. Eben aus Gründen der Hygiene. Und die sind mir persönlich immer sehr sympathisch gewesen.


Die Küchen sind meist aus den 80/90iger und aus massivem Holz. Oder vom bekannten Möbeldiscounter (inzwischen in Konkurs gegangen).


Das Bad ist meist ok und muss nur mal ordentlich geschrubbt werden. Und die Fußböden sind aus Marmor oder Terracotta. Teppichböden wirst du in Italien nicht finden. Wegen der Hygiene und wegen der Hitze im Sommer.

Manchmal im Schlafzimmer findest du Parkettboden. Dann ist es ein bisschen wärmer.


Wenn du dir die Wohnungen in der Stadt leisten kannst, dann hast du Glück. Denn oft sind sie unbezahlbar. Das ist auch der Grund, warum die meisten Italiener noch zuhause wohnen und früh beginnen für die eigene Wohnung zu sparen. Und dann mit 30 Jahren ausziehen und ihr eigenes Reich haben. Und darauf sind sie mega stolz und die Gäste werden nach Hause eingeladen.


Hast du nicht das Geld, weder für die Miete noch zum kaufen … dann ziehst du in eine WG. Wenn du Glück hast, dann kannst du ein eigenes Zimmer mieten. Ansonsten musst du mit einem Posto Letto vor lieb nehmen. Das heißt übersetzt: Du teilst dir mit einer anderen Person das Zimmer. In manchen Fällen auch das Doppelbett. Das gibt es tatsächlich.


Ja … und in der Küche steht der Tisch immer in der Mitte. Ganz selten am Rand. Und die Lampe … die hängt irgendwo in der Luft. In den seltesten Fällen über dem Tisch.


Und der Fernseher fehlt nie in der Küche. Wie soll man denn sonst essen?



Die Restaurant Besuche

Wer liebt es nicht, in Italien ins Ristorante/Pizzeria zu gehen?


Ist dir schon mal aufgefallen, wenn du in Italien warst, dass die Italiener erst immer beim Eingang drinnen warten? Im Sommer draußen?


Das hat seinen Grund. Sie warten, bis der Kellner zu ihnen kommt und fragt, ob sie reserviert haben bzw. mit wie vielen Personen sie einen Tisch brauchen. Meist sagen die Gäste: “Siamo in 4.”


So wird das Tages bzw. Abendgeschäft optimiert. Denn wenn sich zwei Personen an einen Tisch für 6 Personen setzen, hat der Kellner das Problem andere 4 Gäste nicht unterzubringen. Denn in Italien gibt es das nicht, dass man sich dazu setzt. Höchstens in einer Birreria (Kneipe).


Wenn ein Pärchen essen geht, kann die Frau unbesorgt ihre Geldbörse in der Tasche lassen. Und das weiß die Frau natürlich, wenn sie galant und schick ausgeführt wird. Das ist eine grundlegende Regel in Italien. Emanzipation hin oder her. Die gilt dann einfach nicht mehr. Das gleiche gilt für den Caffè in der Bar oder den Aperitivo.


Und kein italienischer Mann lässt sich hier von einer Frau das Essen bezahlen. Das ist unhöflich und nicht gentiluomo (Gentleman).


Und wie sieht das mit dem Cappuccino nach den Spaghetti alle vongole aus? Das meine Lieben ist ein absoluter Faux pax. Bestellst du ihn nach dem Pranzo, bekommst hinter deinem Rücken ein Naserümpfen. Du bist natürlich Gast und bekommst deinen Cappuccio. Aber sei dir gewiss, dass während sie ihn für dich zubereiten … sie lachen darüber. Das gleiche gilt auch für Caffè Latte und Latte Macchiato. Das sind Heiß Getränke, die ausschließlich zum Frühstück getrunken werden.


Nach dem Essen wird gerne ein Digestivo getrunken. Also einen Grappa, Sambuca oder Limoncello. Und manchmal auch einen Nocino. Der wird aus Walnüssen hergestellt, wenn sie noch grün sind. Und er ist sehr speziell.

Ach ja … übrigens: Der Ramazzotti wird nur von den ausländischen Touristen bestellt. Dann lieber der Jägermeister dalla Germania. 😂



Bitte mit viel Sahne und Käse in der Pasta! Prego???

Denkst du eigentlich immer noch, dass man in Italien alles mit viel Sahne und Käse ist? Und dass die Italiener jeden Tag Spaghetti Bolognese essen?


Die Italiener meiden Sahne in der Pasta wie die Pest. Und der Käse wird nur ganz selten bei einigen Gerichten verwendet. Wie z.b. bei der Melanzane alla Parmigiana, Lasagna oder Cannelloni. Und dann handelt es sich um den Parmigiano. Den man ja meist anschließend mit einem Espresso Löffelchen über die Pasta verstreut.


Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe: Es gibt keine Spaghetti Bolognese. Das wurde wohl irgendwann mal von einem deutschen Adriatouristen nach Deutschland gebracht. Auch wenn du im Netz relativ viele Rezepte darüber findest … es ist ein Ammenmärchen.


Was es gibt, das sind die Tagliatelle al ragù. Das sind Bandnudeln, wo Ei drin ist und meistens werden sie frisch hergestellt. Und das Ragù ist die Fleischsauce. Was ja aus Hackfleisch besteht. In den meisten Fällen halb Rind halb Schwein. Und es gibt natürlich das Original Rezept, welches aus Bologna stammt und nur selten verraten wird. Die Fleischsauce wird übrigens auch für die Lasagna benutzt. Welche auch original aus Bologna stammt.


Fazit: Die meisten haben von Italien ein ganz falsches Bild. Weil sie ja nur das kennen, was sie im Urlaub gesehen haben. Und das ist ja auch ok.

Mein Tipp: Informiere dich so viel wie es geht über das Land, welches du bereisen möchtest. Es hilft dir vieles zu verstehen und bewahrt dich vor einigen heimtückischen Situationen.


Ich hoffe, dass dir meine kleine Geschichte gefallen hat.

Ciao e ci vediamo presto qui.


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