Wie in Italien Weihnachten und Silvester gefeiert wird

Aktualisiert: 19. Dez. 2021

Fast jedes Land hat ja seine eigene Weihnachtskultur. Und wie wird das neue Jahr begonnen? Klar auch in Italien haben die Menschen ihre Traditionen.


Wie feiern denn die Italiener den heiligen Abend und die restlichen Weihnachtstage und das neue Jahr? Pizza und Caffè?


Na, dann lasse dich mal überraschen.



Die Vorweihnachtszeit


Die Vorweihnachtszeit beginnt in Italien genau wie in den anderen europäischen Ländern mit den Süßigkeiten, Mandarinen und Orangen. Nur dass es hier statt Lebkuchen den Panettone gibt.

Der Panettone hat seinen Ursprung in der Lombardia, genauer gesagt in Mailand. Die klassische Version gibt es mit Sultaninen und Zedratzitronen. Und der Teig ist sehr weich. Früher wurden sie noch selber zuhause gebacken, heute jedoch kaufen die meisten ihn im Supermarkt von den bekannten Marken.


Wenn du ihn kaufst, findest du in jeder Verpackung ein Tütchen mit Puderzucker. Der wird dann in die Tüte gestreut wo sich der Kuchen befindet. Die Tüte wird verschlossen und alles zusammen wird dann ordentlich geschüttelt. So dass der Puderzucker sich überall verteilt. Fertig! Und dann musst du ihn nur noch in große Stücke schneiden. Wer die Sultaninen und Zedratzitronen nicht mag, für diejenigen gibt es auch die Version ohne und dann mit Schokoladenstückchen.


Zuhause jedoch gibt es keine Adventskränze oder Nikolaustag. Am 8.Dezember (Immaculata/Maria Empfängnis) wird der Weihnachtsbaum geschmückt. In den meisten Familien gibt es den Plastikbaum und viel Lametta bzw Girlanden aus Lametta, Lichterketten etc. Die Italiener mögen es eher kitschig und das ist für sie traditionell.


Ja und es gibt auch Weihnachtsmärkte. Allerdings sind es solche wo du keine Stände mit gebrannten Mandeln, Bratwurst vom Grill oder Glühwein findest wirst. Sondern sehr kommerzielle Stände, wo es darum geht zu kaufen und zu verkaufen. Mit allem möglichen Krimskrams den du dir nur vorstellen kannst.


Jedoch gibt es immer mehr Italiener, die die nordischen Weihnachtsmärkte zu schätzen wissen und dementsprechend ist die Nachfrage groß. In den großen Städten wie Mailand, Florenz, Verona und auch in Bologna findest du ganz ähnliche Weihnachtsmärkte.

Aber nicht mit den unseren im Norden zu vergleichen.


Der heilige Abend oder in italienisch Vigilia di natale


Während die meisten Kinder nördlich der Alpen am Heiligabend schon sehr aufgeregt sind, geht's in Italien alles noch sehr gelassen zu. Die letzten Stress Einkäufe in den riesigen Supermärkten und mancher Ehemann der noch Schlange in der Parfümerie oder im Wäscheladen steht.


Der Heiligabend wird natürlich auch gefeiert. Allerdings eher im Kreise von Freunden und/oder der Familie. Denn man sitzt zusammen und ißt (was auch sonst) Fisch. Hier ist es Tradition, dass am heiligen Abend Fisch gegessen wird und kein Kartoffelsalat und Würstchen.


Die meisten warten bis es 0.00 Uhr ist und gehen dann zusammen in die Christmette. In Italien sind ja die meisten Menschen katholisch und halten sehr an der Tradition fest die Christmette zu besuchen. Die dann auch schon mal 1-2 Stunden dauern kann.


Das eigentliche Weihnachtsfest


Ja und das wird wie auch in vielen anderen Ländern am 25. Dezember jeden Jahres gefeiert. Ganz im Kreise der Familie.


Man trifft sich zum Mittagessen und es wird gegessen. Die Mamma Italiana steht in der Küche und wenn sie Glück hat, hilft ihr die Tochter oder Schwiegertochter das alles zu bewältigen.


Denn Weihnachten wird bei den italienischen Familien so richtig aufgefahren. Das heißt:


Antipasti

Primo (oft ein Bis; also zwei verschiedene primi)

Secondo (Fleisch: Grigliata mista verschiedenes gegrilltes)

Dolce mit süßem Sekt (Moscato)

Frutta (Mandarinen und Orangen + Nüsse (frutta secca))

Caffè (und nie einen Cappuccino > Todsünde!)

Digestivo (Grappa, Averna oder Sambuca)


Das klassische Primo in der Emilia Romagna sind die Tortellini in brodo. Die Brühe (brodo) wird zuhause selber gemacht. Meist ist es Fleisch oder Hühnerbrühe. Wobei die Tradition sagt, dass sie mit der Brühe des Kapphahn (il cappone) zubereitet wird.


Tja und eigentlich erst dann werden die Geschenke verteilt. Wobei die meisten es nicht machen. Weil sie der Ungeduld der Bambini erliegen und es morgens beim Frühstück schon Bescherung gibt.


Ja und nach dem pranzo (Mittagessen), was dann auch schon mal 2-3 Stunden dauert, ist man so pappsatt … dass man abends nur noch einen Apfel essen möchte. Und Ruhe auf dem Sofa. Die Kids spielen mit den Geschenken und sind selig mit den Eltern Weihnachten zu feiern.


Der 2te Weihnachtstag


Im Prinzip wird der 26.Dezember nicht anders wie in den anderen europäischen Ländern gefeiert. Entweder mit dem anderen Teil der Familie oder aber man bleibt unter sich und unternimmt etwas zusammen. Sprich viele fahren in die Berge oder ans Meer und haben schon einen Tisch im Restaurant oder Trattoria reserviert.


Und an jedem Abend des 26ten Dezember sagen sich alle: “Nächstes Jahr machen wir es anders.” Nur das Hamsterrad und die Traditionen bestimmen dann doch den alljährlichen weihnachtlichen Verlauf.



Silvester oder in italienisch: Capodanno


Die Italiener mögen es sehr wenn es ein Feuerwerk gibt. Deswegen gibt es bei vielen Festlichkeiten eines, was dann allerdings von der Gemeinde organisiert wird.


Silvester also Capodanno sind sie allerdings auf sich gestellt. Aber es wird kräftig eingekauft und auf die Nachhaltigkeit wird da keine Rücksicht genommen.


In der Regel treffen sich alle in der Stadt auf der Piazza principale und es wird gefeiert und angestoßen und gesungen.


Leider sind dabei auch schon viele Unfälle passiert. Denn einige haben den Hang dazu mit Glasflaschen zu werfen. So war es zumindest vor einigen Jahren in den großen Städten wie z.b. Neapel.


Heute mag es sich verändert haben, nur so ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich gehe seit Jahren nicht mehr hin.

Tja … und wir sind wieder beim allseits beliebten Thema: Il cibo (das Essen). Was essen die Italiener an Silvester? Fisch! Sie essen wieder Fisch:


Antipasti Primo (Pasta oder risotto ai frutti di mare mit Meeresfrüchten) Secondo (Seebarsch, Dorate oder eben auch Frutti di mare (Meeresfrüchte) und dazu gibt es Gemüse in jeglicher Form


Es gibt auch ein besonderes Secondo: Cotechino con lenticchie. Der Cotechino nennt man im niederdeutschen die Schlackwurst. Es ist eine Rohwurst. In Italien wird sie zu Silvester in Salzwasser gekocht und dazu gibt es ein Linsengemüse.


Warum Linsen? Weil jede einzelne Linse eine Münze darstellt und sie sollen für das kommende Jahr Glück und viel Geld bringen.

Anschließend ein klassisches Dolce wie Tiramisu, Zuppa di inglese oder Panna cotta. Oder schlicht und einfach: Mascarpone.


Dann nachts um 0.00 Uhr bei der Jahreswende, ißt jede Person 3 Weintrauben. Jede Weintraube steht für einen Wunsch, der im kommenden Jahr in Erfüllung gehen soll.


Der italienische Nikolaus ist eine Hexe


Die Kinder müssen sich auf den “Nikolaus” bis zum neuen Jahr gedulden. Nämlich bis zum 6.Januar. Epifania ist das hier. Und der Nikolaus, den es in Italien ja nicht gibt, ist hier eine Hexe (Befana). Sie fliegt auf ihrem Besen von Haus zu Haus und lässt eine Socke gefüllt mit Süßigkeiten durch den Kamin rutschen.


Und nach dem 6.Januar erwacht das Land wieder, füllt sich mit Autos auf den Autobahnen, Tangenziali und Landstraßen. Der Alltag beginnt und die Feste und der Schmaus ist vorbei.


Ich hoffe, dass dir die italienische Weihnachtsgeschichte gefallen hat und ich wünsche dir von hier aus dem Zitronenland Buone feste e un grande augurio.


Jutta 🍋🌲




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