Was wäre Italien ohne das Meer?

Stell dir vor Italien hätte seine Meere nicht?

Unvorstellbar, … nicht wahr?


Der Stiefel ist vom Meer umzingelt. Die Menschen hier sind mit dem Meer groß geworden. Sie haben gelernt es zu respektieren.


Il mar wie sie es oft liebevoll nennen.



Der Alltag am Meer einer italienischen Familie


In der Regel sind die Wochenenden der italienischen Familien für das Meer, Strand und Essen verplant.

Und das sieht dann folgendermaßen aus: Schon am Donnerstag gleich nach der Arbeit, geht man bewaffnet mit der Einkaufsliste (oder auch nicht) zum Supermarkt. Es werden die Lebensmittel eingekauft, die man für il fine settimana (Wochenende) braucht. Und das gilt auch nur für diejenigen die am Meer eine Ferienwohnung haben oder einen Camper.


Diejenigen die ein Zimmer im Hotel haben, reservieren mit Halb bzw Vollpension. So ersparen sie sich die ewige Suche nach den Restaurants und meistens ist es auch preisgünstiger, als jeden Abend auswärts zu essen. Und wenn sie einmal das richtige Hotel gefunden haben, bleiben sie ihm auch treu. Für Jahre!


Es gibt auch immer mehr die Weekend Urlauber, die mit ihrem Camper unterwegs sind. Die es in Kauf nehmen wie die Ölsardinen auf dem Platz nebeneinander zu stehen. Ohne das Problem zu haben, dass das Familienleben am Wochenende con tutti (mit allen) geteilt wird. Selbst die Wäscheleine wird hier nicht fehlen.


Ich möchte allerdings auf die Ferienwohnungsmieter zurückkommen.

Denn Freitagmorgen bevor man zur Arbeit eilt, steht dann im Flur schon alles breit: Sonnenschirm, Sonnenliegen, Kühlbox, Strandtaschen mit Handtüchern und allem was dazugehört und natürlich die Koffer. Und dann nach der Arbeit bzw Kindergarten/Schule: Tutto pronto? Na denn mal los, der Stau wartet nicht. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, die Staus gehören zum italienischen Weekend dazu. Das ist schon Alltag!


Ein Segen gibt’s ja die Klimaanlage. Und wer sie nicht hat, muss leider die Abgase einatmen. E’ la vita! (So ist das Leben!)


Endlich am Meer angekommen!


Nachdem sie die Blechlawine hinter sich gelassen haben und in der Wohnung angekommen sind, bringt der Ehemann alles was im Auto verstaut war in die Wohnung. Die Mamma steht selbstverständlich schon in der Küche, um sich um das Wohl der Familie zu kümmern. Und nachdem der Papà alles reingetragen hat, übernimmt er den Grillmeister. Die Kids suchen die Spiele, damit ihnen nicht langweilig wird oder aber sie machen gleich klar, ob die amici del weekend (Wochenend Freunde) schon da sind.


Nach der cena (abendessen) gibt’s den giro al lungomare (die Runde an der Strandpromenade). Das Gegrillte lag doch etwas schwer im Magen. Wenn da nicht die gelateria al lungomare wäre?!


Nach einer chiacchierata (Klönschnack) mit einigen, die man jedes Jahr und jedes Weekend hier trifft, geht man befriedigt zur Ferienwohnung zurück und ist froh wieder al mar zu sein. Si!



Der Tag am Strand


Es ist Samstagmorgen noch recht früh, aber genau die richtige Zeit um in Ruhe das italienische Frühstück herzurichten bzw dafür zu sorgen, dass alle was ordentliches in den Magen bekommen.

Cornflakes oder Müsli für die bambini und ein Brioche salato für den Papà. Die Mamma gibt sich mit den fette biscottate (Zwieback) e un po’ di marmellata zufrieden. Und vielleicht noch ein paar von den biscotti per tutti. (Kekse für alle.)


Ja und natürlich darf eines nie fehlen: Il caffè!

Für Papà einmal bitte schwarz ohne Zucker (und das 100malige rühren von links nach rechts und wieder zurück fehlt natürlich auch nicht!)Die bambini bekommen einen succo di frutta (Fruchtsaft) oder eine spremuta (frisch gepresster O-Saft)und die Mamma trinkt ihren tè verde (grüner Tee).


Und dann kommt der heiß ersehnte Moment: Der Gang zum Strand!


Papà trägt natürlich die schweren Sachen, die wären:

  • Strandliegen

  • Strandtaschen

  • Sonnenblende für den Strand

  • Spielzeug für die bambini

Die Mamma trägt den ombrellone (Sonnenschirm) und die bambini den Ball für das calcetto (Fussballspiel zu fünft).


Endlich am Strand angekommen, begrüsst man dann auch gleich gli amici dei weekend. Nach so vielen Jahren hat man ja Freundschaft geschlossen und dann sagt man ja gerne mal Ciao! Come va’? (Hallo! Wie geht’s?)


Und dann geht’s auch schon los:


Papà sorgt als erstes dafür, dass der Sonnenschirm gut und tief im Sand steht, damit der Wind ihn nicht fliegen lässt, während Mamma die Sonne und Schatten genießt. Dann muss er sich auch gleich um die Sonnenliegen kümmern. Ganz zum Schluss hat er dann nur noch die Sonnenblende zu montieren, sollte der Schatten vom Sonnenschirm zu weit wandern. Besser ist es eine Reserve haben.


Während Papà dann alles montiert hat, hat Mamma die Kinder in Bikini bzw in Badehöschen gepackt und alle beide schon eingecremt. Schwimmflügelchen an und die Förmchen ins Eimerchen rein. Fertig! Papà wird dann auch noch eingecremt und darf mit ans Wasser Sandburgen bauen.


Und nun kann sich die Mamma auch endlich mal ausruhen nach dem Stress der 2 kleinen Kinder und dem 1 grossen Kind. Eincremen, Sonnenbrille auf und einfach nur mal die Augen schliessen.

Wenn die Uhr dann mezzogiorno (Mittag) läutet ist es Zeit für: “Bambini! Venite, è ora per il pranzo. Andiamo mangiare la pappa!” (Kinder! Es ist Zeit für das Mittagessen. Gehen wir um etwas zu essen!)

Und alle 3 kommen freudig zur Mamma, weil sie es nicht erwarten können einen Teller mit pasta sciutta zu bekommen.


Papà macht den ombrellone zu, packt alle Strandtaschen in die Sonnenblende und schliesst sie mit einem Schloss. Alle verabschieden sich von den amici dei weekend mit einem “A dopo!” (Bis gleich!)


Papà freut sich, denn diesmal muss er nichts schleppen und Mamma redet mit sich selber und überlegt was sie denn heute kochen soll.


Nach dem pranzo und der pennichella (Mittagsschlaf) geht es wieder zum Strand. Und im Prinzip ist es das gleiche Spiel wie am Vormittag. Mit dem Unterschied, dass man ein paar chiacchiere mit den amici macht. Du weisst schon: “Was gab es heute mittag zu essen.” und der Austausch der Rezepte etc.


Später gegen Abend werden die Zelte abgebaut, Papà spielt den Packesel und Mamma überlegt, was sie zur cena kocht. Ach ja und die bambini hüpfen vor Freude zwischen Mamma und Papà hin und her.



Der 1° Abend nach dem Strandtag


Nachdem Papà glückselig wieder am Grill stehen darf, heute gibt es pesce, duscht die Mamma die bambini ab. Und anschließend sich selbst. Papà darf dann auch wenn er fertig ist.


Zum gegrillten Fisch gibt es dann einen knackigen insalata verde und patate al forno con il rosmarino. Ein bisschen Vino für die genitori (Eltern)und acqua für die bambini.


Und wenn dann die piatti (Geschirr) abgewaschen sind, freuen sich alle auf den … ??? Giro al lungomare mit einem gelato!


Der Tag danach


Im Prinzip ist der Tag danach genauso wie der vorherige. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie statt der cena am Abend in der Blechlawine stehen, um nach Hause zu kommen. Und deswegen gibt’s Panini e acqua. Weil Papà muss ja Auto fahren!



Buona giornata cari amici miei … das war nur ein kleiner Einblick in das italienische Strandleben. Was ich bestimmt etwas übertrieben beschrieben habe. Allerdings liegt mir ja was dran, dass du Freude beim lesen hattest.


Ciao!


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