In Ligurien gibt es nicht nur die Cinque Terre

Aktualisiert: 15. Nov. 2021

Diese Region hat mich schon 1994 umgekrempelt und es hat bis heute angehalten. Und warum das so ist, dass möchte ich in diesem Artikel erzählen.



Die Region wo immer Frühling ist


In Ligurien ist das Klima sehr mild. Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass die Küste durch die Hügel des Apennin geschützt ist und durch die klimatischen Auswirkungen des Golfstromes.


Weihnachten 1997 habe ich es sogar schon erlebt, dass ich bei 18°C auf dem Balkon saß und die Sonne genießen konnte. Das war für mich, die 6 Jahre in Hamburg gelebt hat, unglaublich.


Aber das Klima allein war es nicht, was mich dann letztendlich dorthin verschlagen hat.


Das Licht und die Farben


Als ich dort meinen Urlaub verbracht habe, in Sestri Levante, wusste ich schon, dass es für mich nicht das letzte Mal dort war. Und ich hatte keine Ahnung was es genau war, dass diese Region mich so in Anspruch nahm.


Waren es die Menschen, die in ihrer Art so besonders sind?

Ich sag dir was es war: Es war das Licht, dass einen richtiggehend umhüllt hat.


Das kommt tatsächlich von den Farben der Häuser. Die wiederum reflektieren mit der Sonne und dem Meer. Und natürlich auch mit den Farben der Vegetation. Ligurien ist nun mal sehr grün. Das alles zusammen bringt das Licht dann eben so zum leuchten.


Das Trompe l'oeil in ligurien


Hast du schon mal von trompe l'oeil gehört? Das ist eine illusionistische Malerei, die mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht (so steht es bei Wikipedia).


In Ligurien siehst du sehr viele Hauswände, wo Fensterläden oder Blumen angemalt sind. Und es tatsächlich so scheint, als wären sie echt. Aber das sieht nur so aus. Ganz besonders viel sieht man es an den Häusern in Camogli.


Camogli liegt übrigens an der Riviera di Levante zwischen Sestri Levante und Genova (La superba) und ist sehenswert mit seinen hohen palazzi.



Die Liguri sind die Bewohner dieser Region


Die Menschen in Ligurien sind besonders. Sie haben ihre ganz eigene Art Dinge und Situationen anzugehen.


Wie viele Italiener, sind auch sie eher misstrauisch. Sie hinterfragen erst die Dinge, bevor sie sie angehen. Außerdem sind sie eher wortkarg. Menschen die am Meer leben, sind eben so.


Viele Italiener mögen sie nicht so sehr. Sie sagen, dass sie geizig sind. Ich persönlich habe bisher nur einen einzigen Menschen dort kennengelernt, der wirklich geizig war. Alle anderen sind bis heute Freunde und ich habe noch nie so viel gelacht und Spaß gehabt, wie in meiner Zeit in Sestri Levante.


Wenn die Liguri dich kennen und schätzen gelernt haben, öffnen sie sich dir gegenüber und lassen dich an ihrem Leben teilhaben.

Das Essen fehlt auch hier nicht


Jaja, ich weiss das Essen in Italien ist schon sehr besonders. Und erweckt immer solche Sehnsüchte in uns.


Und was soll ich dir sagen: In Ligurien wenn du am Strand in einem Bagno zu Abend ist (selbst wenn es nur ein Aperitivo ist) und hast du den Sonnenuntergang vor dir und siehst wie die Sonne ins Meer eintaucht. Da hast du in dem Moment alles was du dir wünschst.


Es muss auch nicht immer ein super feudales Abendessen sein. Weißt du wo ich meine schönsten Abende hatte? Auf einer kleinen Mauer direkt an der Baia del silenzio in Sestri Levante. Ich habe dort meinen Vinello getrunken und Erdnüsse geknabbert. Und um uns herum ein herrliches movimento.


Ja und was sind die typischen Gerichte in Ligurien?

Das kommt ganz auf die Saison an. Denn die Liguri kochen nach der Saison. Z.b. die Pansoti in salsa di noci gibt es meist nur in den Monaten von Mai bis max August.


Die Torta pasqualina, die es nur Ostern gibt und sehr bekannt ist. Denn da kommen richtig viele Eier rein und von daher eine Kalorienbombe ist. Aber sehr lecker!


Aus dem Ort Recco kommt die Focaccia al formaggio. Der Teig ist ein ganz normaler Pizzateig. Der Boden ist schon recht dünn, aber das was oben drüber kommt, das ist hauchdünn. Bevor aber der dünne Überzug drauf kommt, wird mit einem Teelöffel der Käse Stracchino verteilt. Du siehst dann überall kleine Häufchen mit diesem Käse (er ist übrigens mega lecker). Wenn der Käse überall gleichmässig auf dem Blech verteilt ist, kommt der hauchdünne Überzeug aus Teig drauf und es werden überall dort Löcher angepiekst, wo kein Käse ist. So kann er dann im Ofen aus den Löchern fliesen und sich verteilen. Die Focaccia wird heiß und wahlweise ohne alles serviert oder aber mit Wurst (meist prosciutto).

Die verschiedenen primi mit Pesto, da gibt es tatsächlich vier:

  • Trenette al pesto

  • Lasagne al pesto

  • Trofie al genovese

  • Testaroli al pesto

Auch Gnocchi eignen sich dafür sehr gut, weil die salsa eben eher dran “kleben” bleibt. Ist aber offiziell kein original ligurisches Rezept.


Und da sind die Italiener eben sehr eigen. Das muss schon so sein: è la sua morte (zum Artikel der über die Pasta spricht bitte hier lang)


Und zum Frühstück darf auf keinen Fall die Focaccia fehlen. Sie ist etwas fettig, aber so mega lecker. Ich habe sie mal mit Nutella probiert. Das war schlichtweg göttlich. Natürlich kann man es auch mit ähnlichen Produkten essen. Damals gab es halt nur Nutella.



Das Olivenöl aus Ligurien


Die Oliven in Ligurien sind wohl die, die am fruchtigsten sind im Land des Stiefels. Das wiederum auch an dem milden Klima liegt. Dementsprechend ist auch das Öl so ... fruchtig eben.


Das Öl aus Ligurien wird sehr häufig zum reinigen des Darms benutzt. Wenn man z.b. eine Magen-Darm Grippe hat, isst man Reis pur mit einem filo di olio (mit etwas Öl) für ca. 3 Tage und du bist wieder fit.


Du findest auch das Museum der Oliven in Imperia. Hier bekommst du mehr Info (leider nur in italienisch). Wenn es dich interessiert, kannst du mich gerne kontaktieren und ich helfe dir ein Ticket zu bekommen.


Welche Orte sind nicht so touristisch?


Ja, es gibt nicht nur die Cinque Terre in Ligurien. Auch wenn sie wirklich wunderschön sind. Nur leider zu überlaufen für meinen Geschmack. Denn die Schönheit dieser 5 Dörfer siehst du nur, wenn kein Mensch da ist und sie in Stille auf dich einwirken können.


Wenn man von Ligurien spricht, sollte man nicht vergessen, dass die Region zweigeteilt ist. Nein sicher nicht mit einer Mauer. Aber sie hat zwei verschiedene Küsten:

  • Riviera di Levante (von La Spezia bis Genova)

  • Riviera di Ponente (von Genova bis Ventimiglia)

Diese beiden Küsten sind sehr unterschiedlich. Nicht unbedingt von der Vegetation, sondern eher wie sie sich architektonisch gestalten. Und natürlich der Tourismus. Die Blumenriviera (Riviera di Ponente) ist wesentlich touristischer wie die, die Richtung La Spezia geht. An der Riviera di Ponente gibt es so gut wie gar keine Parkplätze (wobei das ein grundlegendes Problem in Ligurien ist). Außerdem ist die Küste sehr in französischer Hand. Frankreich ist ja auch um die Ecke.

Die andere Küste, la Riviera di levante, ist schon fast dolce. So wie sie aufgebaut ist. Von viel Grün umgeben und auch die hohen Palazzi gibt es eher wenige.


Wobei das Hinterland beider Küsten ausnahmslos schön ist und sich nur wenige Touristen dorthin verirren. Sehr grün mit vielen kleinen Bergdörfchen irgendwo im mezzo.



Aber ich möchte dich nicht lange auf die Folter spannen. Hier die wirklich sehenswerten Orte von Ligurien:

  • Portovenere (Prov. La Spezia)

  • Lerici (Prov. La Spezia)

  • Bonassola (Prov. La Spezia)

  • Moneglia (Prov. Genova)

  • Campegli (Prov. Genova)

  • Sestri Levante (Prov. Genova)

  • Zoagli (Prov. Genova)

  • Camogli (Prov. Genova)

  • Rapallo (Prov. Genova)

  • Genova Nervi (Prov. Genova)

  • Varese Ligure (Prov. la Spezia)

  • Bordighera (Prov. Imperia)

  • Ventimiglia (Prov. Imperia)

  • Perinaldo (Prov. Imperia)

Varese Ligure, Campegli und Perinaldo findest du im Hinterland. Es sind kleine Bergdörfer die sehr speziell sind und ich wirklich empfehlen kann. Du wirst es nicht bereuen den Weg bis dorthin zu fahren.


Campegli hat künstlerische Merkmale, die du aber nur siehst wenn du es zu Fuß durchstreift. Dieses kleine Dorf hat 184 Einwohner und war für 1 Jahr mein Zuhause.


Varese Ligure liegt schon weiter im Hinterland und ist eine bemerkenswerte kleine Stadt. Sie hat 2003 von der EU den Preis für die nachhaltigste Stadt bekommen.


Perinaldo stattdessen findest du im Hinterland von Ventimiglia. Auch hier musst du ca. 20-30 Minuten mit dem Auto fahren. Dieser kleine Ort hat etwas magisches an sich. Und das wirst du dann selber rausfinden, wenn du dort bist.


Meine Top 3 der Orte am Meer … das ist gar nicht so einfach, weil sie wirklich alle sehr schön sind. Es gibt allerding drei, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Und zwar Sestri Levante, Portovenere und Zoagli.


Sestri Levante ist eine Kleinstadt mit etwas über 18.000 Einwohnern. Sie liegt am Golfo Tigullio, wo man weiter draußen im Meer auch Delfine und Wale sehen kann (es gibt Schiffsfahrten von Genova aus. Hier findest du mehr Info). Außerdem hat diese kleine Stadt eine bemerkenswerte schöne Bucht im Zentrum der Stadt: la baia del silenzio (dort findest du auch die kleine Bar mit dem Mäuerchen am Strand). Es gibt einen kleinen Trampelpfad im Centro storico, wo es etwas hoch geht. Und wenn du oben ankommst, hast du einen unglaublichen Blick aufs Meer und die umliegenden Orte der Küste.


Und jedes Jahr im Juni findet im Zentrum das Festival von Hans Christian Andersen statt. Mehr Info hier.


Portovenere ist ein kleiner Ort direkt am Meer und er ist wie eine kleine Halbinsel gebaut worden. Die kleinen bunten Häuser, die du direkt am Wasser findest, scheinen als wären sie die Zuschauer des täglichen Spektakels. Denn das magische Spektakel ist die kleine Kapelle, die auf einem Felsen im Meer ragt. Schon allein der Weg dort hoch, ist bewegend. So war es zumindest für mich das erste Mal. Und wenn du dann oben bist, hast du einen Blick aufs Meer, den du nicht so schnell vergessen wirst. Es gibt eine italienische Yoga-Gruppe, die genau dort in der Kapelle ihre Kurse einmal im Jahr gibt, wenn die Sonne im Meer eintaucht. Außerdem werden im Sommer unterhalb der Kapelle in der kleinen Arena oft Theaterstücke und Konzerte gegeben.


Zoagli è una chicca (ist ein Bonbon)und liegt gleich an der Küste hinter Chiavari. Es ist ein kleiner Ort mit 2400 Einwohnern und liegt wirklich direkt am Meer. Und das bemerkenswerte ist der kleine Weg, der sich an den Felsen entlang schlängelt. Abends wird er mit vereinzelten Lampen beleuchtet und es gibt Sitzgelegenheiten für 2 Personen. Und im Hintergrund hörst du die Stimmen der Menschen (oder Paare) die sich leise unterhalten. Wenn du also einen romantischen Abend zu zweit verbringen möchtest, ist das ganz gewiss der ideale Ort dafür.



Es gibt sicher noch viele andere Orte die wunderschön sind. Und du kannst gewiss sein, dass ich sie auch noch finden werde.


Übrigens habe ich die Musik von Luca Carboni gehört, während ich den Artikel geschrieben habe. Sie erinnert mich immer an meine Zeit in Ligurien und hat mir dabei Gesellschaft geleistet. Der Artikel kommt übrigens von Herzen und ich glaube es ist eine Liebeserklärung an die schönste Region Italiens geworden: la Liguria!

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