Il dolce far niente

Ja ja, das denken wir alle von den Italienern … dass sie diese Leichtigkeit täglich leben.

Aber ist es denn wirklich so? Was glaubst du?



Das Nichtstun, das liegt in den Händen der Italiener

Seien wir doch mal ehrlich: Glaubst du, dass die Italiener täglich “Dolce far niente” betreiben? Eben! Sie leben es nicht täglich. Es ist ein Klischee, was sie die ausländischen Touristen glauben lassen.

Die Wahrheit ist, dass die Menschen hier genauso struggeln wie in anderen Ländern auch. Der Schein trügt nur, weil Italien offiziell auch das Land der Sonne ist. Oder der Leichtigkeit.


Sicher ist, dass es ihnen nicht schwer fällt, das Schöne gleich zu bemerken. Und sie sagen es dann auch so direkt. Genauso wenig haben sie damit Probleme von sich selber zu sagen, dass sie schön sind.


Die Italiener arbeiten sehr viel. 80-90% der Bevölkerung arbeitet seit vielen Jahren 40 Stunden in der Woche und mehr. Und sie jammern genauso viel wie in Deutschland.


Die Italiener haben gelernt sich zu arrangieren

Als ich am Anfang (1998) in Ligurien lebte, habe ich mich sehr oft gefragt, wie sie es finanziell schaffen relativ gut zu leben.


Denn das Gehalt eines Italieners liegt unter dem Durchschnitt eines Deutschen. Und die Mieten waren damals noch wesentlich höher wie im Norden Europas (Heute ist es andersrum).


Sie sind es gewohnt sich zu arrangieren. Egal ob beim täglichen Einkauf im Supermarkt oder beim Kleiderkauf. Die meisten kaufen wenn es Angebote gibt. Und dann horten sie wie die Hamster. Ich mache es inzwischen auch so.


Deswegen ist es auch nichts ungewöhnliches, wenn du siehst wie ein Italiener bei einer Tankstelle noch ein oder zwei Kanister abfüllt, wenn der Sprit günstig ist. Außer dass er auch vollgetankt hat.



Warum sind die Pizzeria oft so gut besucht?

Hast du dir mal Gedanken gemacht, warum die Pizzeria in Italien sooft gut besucht ist und die Restaurants weniger?


Ganz einfach … weil du bei den Pizzeria ebenso gut Fisch oder Pasta essen kannst wie in einem Restaurant. Nur wesentlich günstiger.


Das ist auch der Grund, warum du dort immer wieder lange Tische, mit den Familien oder viele Freunde, antreffen wirst. Sie sitzen dann dort stundenlang und essen und haben viel Spaß dabei. Bei der wichtigsten Sache der Welt: dem Essen!



Die Italiener und ihre Konventionen

Von wegen Dolce far niente … die Italiener sind so sehr mit ihren Konventionen verstrickt, dass sie es oftmals gar nicht mehr bemerken.


Wenn du z.b. jemanden zu dir nach Hause einlädst, ist das Erste was sie sagen wenn sie in die Wohnung eintreten: Permesso! Das bedeutet soviel wie: Darf ich eintreten? Oder du gehst auf dem Bürgersteig und es ist relativ viel Betrieb dort. Du hast es aber eilig … naja, dann sagst du Permesso! und sie machen Platz und du kannst schnell weiter. Das ist ok und keiner sagt etwas.


Eine andere Sache die mir sofort aufgefallen ist, dass ist das mit der Hygiene und der Sauberkeit. Bei manchen gibt es in der Wohnung Schuh Teppiche. Das sind so kleine Mini Teppiche wo du mit den Schuhen reinschlüpfen kannst. So bleibt eben der Fußboden in der Wohnung sauber.

Etwas was ich sehr bemerkenswert finde ist, wenn sie ins Kino gehen. Im Winter wenn wir alle unsere dicken Winterjacken oder Mäntel anhaben. Was machst du mit deiner Jacke? Ich für meinen Teil setze mich sofort und ziehe mir im sitzen die Jacke aus und lasse sie im Sessel liegen, so dass ich es kuschelig habe. Der klassische Italiener macht das nicht. Die Jacke wird im Stehen ausgezogen und die Jacke wird ordentlich gefaltet. Dann erst setzt man sich und liegt sie ordentlich gefaltet auf die angewinkelten Beine.

Ich habe das mal ausprobiert. Es war nicht gemütlich oder kuschelig. Im Gegenteil! Es ist anstrengend und unentspannt.


La bella e la brutta figura

Jaja die Bella figura! Ich habe viel darüber nachgedacht, warum sie so wichtig ist für die Menschen hier.


Das Schöne ist für die Menschen sehr wichtig. Damit sind sie ja alle groß geworden: Mit der Kunst, mit der Architektur, mit der Mode und dem Design und mit vielen schönen Menschen.


Ich finde es auch faszinierend, dass sie so offen damit umgehen. Nur gleichzeitig sind sie damit gefangen. Denn wehe wenn dem nicht so ist und du machst die Brutta figura! Oh oh … dann heißt es gleich: “Ma che figura hai fatto …”. Ja, da geht fast die Welt unter.


Es muss perfekt sein und Fehler machen geht gar nicht. Naja, perfekt machen sie vieles eben nicht. Zumindest in den Augen der Nordeuropäer. Für sie ist es das aber … damit gehen sie lässig um. Manche autodefinieren sich dann auch als “Deutsche”, weil sie es ja perfekt machen. Da habe ich meist ein Grinsen im Gesicht.


Die Sache mit der Bella figura ist nur die, sie blockieren sich selber damit. Statt zu sagen: Es ist ok so wie es ist und einfach mal den Dingen ihren Lauf zu lassen.


Ein ganz blödes klassisches Beispiel: Wenn ein Mann eine Stoffhose trägt und er sitzt. Dabei zieht sich meist das Hosenbein hoch. Bei dem italienischen Mann wirst du nie die Haut des Beines sehen, weil es sich nicht schickt. Sie haben in diesen Fällen immer Kniestrümpfe an. So machen sie auf jeden fall eine Bella figura.


Mehr Schein als Sein

Also wenn du das nächste Mal ins Zitronenland fährst, achte einfach mal darauf. Und du wirst es bemerken.


Es ist viel mehr Schein … denn es ist ihnen wichtig, den wahren Kern nicht unmittelbar zu zeigen. Das machen sie nur bei Menschen denen sie vertrauen und sehr gut kennen.


Sie geben keine Angriffsfläche.


Aber … ich mag sie sehr. Ich feiere sie dafür, dass sie immer das Schöne in den Dingen sehen, dass sie höflich und auch respektvoll sind. Für ihre Neugierde und dass sie nie aufhören Fragen zu stellen.


Liebe Grüße aus dem Zitronenland, Jutta 🍋










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