Die italienischen Freelancer

Freelancer gibt es ja nicht nur in Deutschland. Es gibt sie in der ganzen Welt. Und auch in Italien.


Und wie die italienische Welt der Freelancer so ist, dass erzähle ich dir in diesem Artikel.



Wieviele Freelancer gibt es in Italien?

In Italien gibt es knapp 2,5 Millionen Freelancer. Eigentlich nennt man sie libero professionista (freie professionelle). Allerdings ist es auch hier inzwischen üblich, dass man sie Freelance nennt.


2,5 Millionen ist eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt dass in Italien über 60 Millionen Menschen leben. In Deutschland gibt es knapp 1,5 Millionen Freelancer bei einer Einwohnerzahl von fast 84 Millionen.


Wie kommt es, dass es in Italien so viele Freelancer gibt?

Der Grund warum es so viele Freelancer in Italien gibt

Der primäre Grund, warum es so viele gibt, hängt sicherlich mit der relativ hohen Arbeitslosenquote zusammen. Denn im Süden des Landes ist die industrielle Situation nicht so wie im Norden. Das ist auch der Grund warum viele Schüler nach der Maturità (Abitur) gleich studieren. Die meisten übrigens im Norden.


Aufgrund des Wirtschaftsbooms in den 50iger Jahren, kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland. Es waren übrigens die Italiener und dann die Türken. Am 20. Dezember 1955 wurde in Rom das Abkommen unterschrieben, dass den italienischen Arbeitern das Recht gewährte, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Am 5. Januar 1956 kamen die ersten 50 italienischen Gastarbeiter nach Deutschland. Der Ort war Siersdorf am Niederrhein.


Auch heute noch gehen viele Italiener nach Deutschland mit der Hoffnung Arbeit zu finden. Und diejenigen die nicht gegangen sind und hatten eine akademische Ausbildung, begannen als Libero professionista zu arbeiten. Bis heute ist das der Fall.


Corona hat ganz sicher noch das seine dazu beigetragen, dass die Zahlen nach oben gingen.


Wie organisieren sich die italienischen Freelancer?

Viele Freelancer sprechen davon, dass es enorm wichtig ist das berufliche Netzwerk zu pflegen. So auch in Italien.


Wenn ich dir sage, dass in Italien netzwerken kein Fremdwort ist … bist du dann erstaunt? Ich nicht. Ich behaupte mal ganz frech, dass sie es im Blut haben. In der DNA.


Warum? Ganz einfach, weil sie es schon immer gemacht haben. Sei es in der Familie zwischen Tante, Onkel, Cousin und Cousinen, Mamma und Papà. Oder aber auf der Piazza mit dem giornale unter dem Arm, wo sie mit den anderen Herrschaften gerne und freundschaftlich diskutieren und gestikulieren. Naja und die Bar centrale nicht zu vergessen. Der Barista kennt so viele Menschen, wen wundert es da, dass er den einen oder andere kennt, die dann weiterhelfen können.


Durch ihre Flexibilität und ihr großes Herz, haben sie analog immer genetzwerkt.



Freelance Network Italia

Dass es dann in Italien eine Freelance Network Verein NoProfit gibt, er nennt sich übrigens Freelance Network Italia, wundert einen das auch nicht wirklich.


Im Jahre 2017 gründete Barbara Reverberi den Verein und 2019 wurde er dann ein NoProfit Verein.

Heute hat er 11 Founder und sie haben etwas kreiert, was nicht nur die Freelancer zufriedenstellt, sondern auch die italienischen KMU. Eine klassische Win Win Situation.


Wer als Freelancer Interesse hat dabei zu sein, für den oder diejenige gibt es die Möglichkeit sich der Facebook Gruppe anzuschliessen. Hier kann jeder Freelancer 2h im Monat gratis sich etwas weiterbilden und sich mit anderen Freelancer auszutauschen.


Den Unternehmen wird angeboten, die Freelancer in diesem Network zu finden. Und so weiter zu wachsen und gleichzeitig den Freelancer die Möglichkeit geben produktiv zu sein.


Seit ein paar Monaten gibt es auch die Academy, wo die Mitglieder die Chance haben, für wenig Geld sich weiterzubilden.


Wie kommunizieren die italienischen Freelancer?

Ich habe ja das Glück die italienischen und deutschen Freelancer zu vergleichen. Auf meinem LinkedIn Feed trollen sie sich alle zusammen. Übrigens habe ich dort auch Barbara Reverberi kennengelernt. Sie ist nicht nur ein toller Mensch, sondern auch eine hervorragende Netzwerkerin und Autorin eines Buches “Freelance Digitali”.


Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Im Gegensatz zu den Deutschen sind die Italiener in ihrer Kommunikation eher verhalten. Weniger direkt und eher vorsichtig. Das hat vielleicht auch etwas mit der brutta e bella figura (hässliche und schöne Figur) zu tun. Das Thema ist allerdings so komplex, dem gebührt ein extra Artikel.


Aufjedenfall würde ich mir wünschen, dass sie etwas mehr provokativ sind. Um gleich auf den Punkt zu kommen. Manches Mal verlieren sie sich im vollen Wasserglas (si perdono in un bicchiere d’acqua).


Und wie sieht das mit den Steuern für den Freelancer aus?

Auch in Italien gibt es die Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Genau wie in Deutschland müssen alle Einwohner des Landes die Einkommens und Umsatzsteuer bezahlen. Die Gewerbesteuer nur diejenigen die auch ein Gewerbe angemeldet haben.


Was die Einkommensteuer betrifft so ist es seit 2021 mit der Regierung von Mario Draghi folgendermaßen geregelt:


  • 0,00 - 15.000 € > 23%

  • 15 TSD - 28 TSD € > 27%

  • 28 TSD - 55 TSD € > 38%

  • 55 TSD - 75 TSD € > 41%

  • 75 TSD - open end > 43%


Die Mwst (IVA) liegt in Italien bei 22%.


Mit dem Vorgänger von Mario Draghi, Giuseppe Conte, war die Steuerregelung etwas anders. Mit einem Regime forfettario hat der Freelancer, wenn er es beim Finanzamt angemeldet hat, 15% Einkommenssteuer bei einem jährlichen Umsatz bis zu 65.000€, gezahlt. Alles was darüber war, wurde normal und in Relation zum Umsatz berechnet.


Das Resultat von diesem Regime forfettario war, dass es noch mehr Freelancer gab.


Bekommen die italienischen Freelancer Arbeitslosengeld und auch Kindergeld?

Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass kein Freelancer das Recht auf Arbeitslosen oder Kindergeld hatte.


Seit August 2020 hat auch der Freelancer das Recht auf das Arbeitslosengeld. Seit Juli 2021 gibt es auch das Kindergeld für Freelancer. Wobei es noch improvisiert ist. Ab Januar 2022 wurde von der neuen Regierung versprochen, dass es für alle arbeitenden Eltern zugänglich ist. Ausgeschlossen sind diejenigen, die ein sehr hohes Gehalt haben.


Fazit: Alles in allem ist die Situation für die Freelancer hier ganz ähnlich wie in Deutschland. Hoffen wir, dass es so bleibt.


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