Die Italiener und das Essen

Sie sind ja nun mal berühmt für ihr Essen. In der ganzen Welt. Es gibt glaube ich nur wenige Menschen, die noch nie italienisch gegessen haben.


Und ich behaupte mal, dass es der Grund ist, warum die meisten Menschen nach Italien kommen. Ganz sicher auch um sich zu erholen.


Allerdings unsere Sinne sind da wesentlich stärker als wir glauben.


Heute plaudere ich mal ein bisschen aus dem Nähkästchen.



Die Hauptmahlzeiten


In den meisten europäischen Ländern gibt es 3 Hauptmahlzeiten.

Auch in Italien gibt es sie. Wobei eine ist da schon recht mickrig:


La colazione


Mickrig, weil die meisten einen Caffè trinken und das wars. Eventuell ein Brioche dazu. Die wenigsten frühstücken salzig (z.b. ein Panino mit Mortadella). Und das reicht ihnen dann bis zum Mezzogiorno. Also 12 bzw. 13 Uhr.


Mittags hat man dann natürlich schon Hunger und wenn es die Zeit zulässt, dann wird gegessen. Das Mittagessen nennt man übrigens:


🍝 Il pranzo


Wie gesagt, wenn die Zeit da ist wie z.b. 1 Stunde, dann lässt man nichts aus. In der Regel wird dann erst das Primo gegessen (Pasta, Reis oder eine Suppe). Danach gibt es ein Secondo, welches meist aus Fleisch oder Wurst besteht (zumindest in der Emilia Romagna. Hier ist es sehr Fleisch lastig.)

Allerdings findest du auch immer Gemüse mit einem Stück Käse. Oder eine Frittata mit Zucchini.


Das Abendessen wird im Gegensatz zu anderen Ländern relativ spät zu sich genommen. So ab 19 bis 21.30 Uhr spätestens. Das kann wiederum sehr unterschiedlich sein. In den nördlichen Regionen Italiens wird eher früh gegessen. Im Süden dann schon später. Besonders im Sommer, wenn es sehr heiß ist. Das Abendessen nennt sich:


🥘 La cena


Tja und genau abends, wenn es eigentlich eher dürftig sein sollte … da essen die Italiener gerne ausgiebig. Meist wird dann eher nur das Secondo gegessen. Denn Pasta (Kohlenhydrate) am Abend haut schon ganz schön rein bzw. auf die Hüften.


Insalata, verdura und Fleisch oder Fisch. Und worauf die Italiener achten: Sie essen eines nach dem anderen. Sie mixen es nicht. Also erst das Fleisch oder den Fisch und dann erst das Gemüse. Gerne auch Salat, weil es den Magen oder Darm reinigt. Das Dressing dazu ist meist sehr simpel: Immer und auf jeden Fall gutes natives Olivenöl, Salz und meistens Zitrone statt Essig. Und wenn Essig dann Weinessig oder Aceto Balsamico. Das wars.


Was das Dressing betrifft: Kein Italiener kauft es fertig im Supermarkt. Davon mal abgesehen, habe ich es auch noch nicht dort im Regal gesehen.


Und Olivenöl ist absoluter Standard. Wer gutes möchte, fährt zum Olivenbauern und kauft es direkt dort in großen Fässern oder Glasflaschen. Das kostet dann auch weniger und es ist qualitativ einfach besser. Viel Olivenöl wird nämlich gepanscht. Und das ist dann alles andere als wirklich gesund. Zum frittieren wird übrigens Sonnenblumenöl benutzt. Und wenn Olivenöl, dann bitte nur natives. Wobei das eher für Salate und Gemüse gebraucht wird.


La pizza


Die Pizza! Wer mag sie nicht?

Kinder lieben sie ja. Und nicht nur in Italien.


Selbst ich … ich könnte sie fast jeden Tag essen. Und am liebsten draußen, wenn es etwas abgekühlt hat. Am Strand auf den Felsen mit dem Blick aufs Wasser.


Jetzt aber zu ihr: Es gibt verschiedene Arten. Wusstest du das?

Man unterscheidet zwischen 3 verschiedene:


1. Die klassische Napoletana

Sie ist nicht so dünn wie die “normale”, sondern einen Tick dicker. Aber nur einen kleinen Tick. Die Kruste ist eben knusprig, dicker und trotzdem weich. Der Mozzarella wird nicht zu dick aufgetragen und nicht zu wenig. Das gleiche gilt für die Tomatensauce. Und ganz wichtig: das frische und duftende Basilikum. Nicht zu viele und nicht zu wenige. Hinweis: Nur die wenigsten bekommen sie so hin. Da musst du schon nach Neapel oder in die Region Kampanien. Dort wirst du sie sicher eher finden. Manche sagen auch, dass sie kleiner ist. Ich selber habe sie in Neapel aber nie klein gegessen.


2. Die hauchdünne und knusprige

Die ganz dünne Pizza ist meist auch sehr knusprig. Also richtig kross und nie trocken. Meist hat sie auch so große Blasen. Und sie wird nie sehr viel belegt. Dadurch dass der Teig so dünn ist, hält sie es nicht. Sie wird ja bestellt wegen des dünnen Teigs und nicht wegen dem was drauf ist.


3. Die ganz normale

Sie ist groß, normale Teigdicke, Mozzarella, Tomatensauce und normal belegt. Und sie ist die Pizza die in den meisten Regionen Italiens gegessen wird. Normal eben!


Ein paar kleine Tipps, was die Pizza betrifft:


🍕 Bestelle nie deine Pizza zu früh. Der Ofen (Holzkohle oder elektrisch)

braucht immer eine Weile zum warm werden. Die Hitze wird erst mal sehr hoch eingestellt. Und wenn dann die Pizza drinnen ist, ja dann ist sie sehr schnell verbrannt. Deswegen warte immer ein bisschen (am besten ab 19.30) und du bekommst eine sehr leckere Pizza. Und keine verkokelte schwarze.


🍕 Deine Pizza kannst du gerne mit den Händen essen. Genau wie bei Geflügel ist es hier gestattet mit den Händen zu essen. Du nimmst ein Viertel Pizza und knickst es einmal in der Mitte. So fällt das Belegte nicht runter.

🍕 Achte darauf, dass sie nicht zu doll belegt ist. Vor allem auf die Zusammenstellung. Es gibt einige Lebensmittel die sich nicht mit anderen vertragen. Je simpler die Pizza ist, desto besser geht es dir hinterher.


🍕 Und deswegen wirst du auch keine “Pizza Hawai” auf der Menüliste finden. Da gräuseln die Italiener die Stirn. Pizzateig, leckere Salami oder Kochschinken und dann Ananas? Nicht wirklich oder? Das ist so wie nach den Spaghetti vongole ein Cappuccino bitte. Tu es deinem Magen nicht an!


Il Dolce


Wenn es Feste zu feiern gibt, darf auch nicht das Dolce fehlen. Natürlich zuhause gemacht. Meist sind es traditionelle Dolci, wie z.b. Tiramisu, Zuppa Inglese, Profiterole oder einfach nur Mascarpone mit Schokostückchen.


Und was beim Dolce nie fehlt, das ist der Moscato.

Der Moscato ist ein süßer Spumante Wein und wird ausschließlich beim Nachtisch getrunken. Ich persönlich mag ihn überhaupt nicht. Ist mir zu süß.


Im Winter werden nach dem klassischen Dolce auch Nüsse gegessen. La frutta secca. Und immer Sommer dann das Saison Obst wie Aprikosen, Pfirsiche, Melone etc. etc.


Die kleinen Gewohnheiten beim Essen


Dass der Caffè schon obligatorisch ist, das ist uns allen ja klar. Tatsächlich gibt es da auch Italiener die den Caffè gerne etwas abwandeln. Da kommt dann Grappa rein und er nennt sich Caffè Corretto. Das ist dann eher was für Hartgesottene. Und tatsächlich sind es eher die Männer die ihn trinken.


Apropos Caffè: Nach dem Pranzo oder Cena wirst du sehr wenige Italiener sehen, die einen Cappuccino oder Latte Macchiato trinken. Schon die Kombination Caffè und Milch … ist das gut mit z.b. Fisch? Da rebelliert dein Magen auf Dauer. Ich weiß, dass es im Norden Europas viele machen. Ich habe es auch gemacht. Bis zu dem Punkt, wo es mir dreckig ging. Und mein Hausarzt hier in Italien mich aufgeklärt hat. Seitdem nie wieder und ich keine Probleme mehr hatte.


Eine andere Angewohnheit, was schon eher ein #mustdo ist: Wenn du Pasta mit Meeresfrüchten oder Fisch isst (wie z.b. Spaghetti alla puttanesca) … hier wird kein Parmesan drübergestreut. Grundsätzlich mischt man Käse und Fleisch nie mit Fisch.


Genauso wie man das Getränk beim Fisch essen sorgfältig wählen sollte. Immer Weißwein und am besten einen den man perfekt damit kombinieren kann.


Letztendlich kommt es aber immer darauf an, welchen Fisch du isst und wie er zubereitet wird. Ein Beispiel: Hast du einen rohen Fisch bestellt, liegst du mit einem Gewürztraminer oder Müller-Thurgau nicht falsch. Auch mit einem Riesling oder Chardonnay liegst du richtig. Die säuerliche Frische gepaart mit dem Aroma der Weine, unterstreicht die Frische des Fischs.


Etwas anderes was du nie bei den Italienern sehen wirst: Pasta mit Brot essen. Das sind beides Kohlenhydrate und werden grundsätzlich nicht zusammen verzehrt. Also praktisch ein NoGo. Ich habe es auch viele Jahre so gemacht und habe mich schnell daran gewöhnt. Und übrigens: Du bekommst davon einen ganz schönen Blähbauch. Also besser vermeiden.


Magst du Pasta? Besonders die zum Drehen?

Und wahrscheinlich wirst du wie viele Nordeuropäer, die Spaghetti in deinem Löffel drehen. Da ist nichts verkehrtes dran …


Du wirst damit allerdings eher ältere Menschen in Italien sehen. Weil sie es einfach nicht mehr so schaffen. In der Regel braucht der Italiener den Löffel dazu nicht. Er dreht sie mit der Gabel auf dem Teller und gut is. Probiere es mal. Es ist gar nicht so schwer.


Den Prosciutto nie ohne Brot … wenn ein Italiener im Ristorante, Trattoria oder Osteria Schinken bestellt, ist es selbstverständlich, dass er dazu Brot bekommt. Wenn er es nicht bekommt, kann es sein, dass er den Schinken zurück gehen lässt oder zumindest beim Kellner moniert.


Trinken die Italiener viel Wein? Jep, das tun sie. Lieber Wein wie Wasser. Nein Scherz beiseite. Wein und Wasser steht in jedem italienischen Haushalt bei den Hauptmahlzeiten auf dem Tisch. Ohne geht’s einfach nicht.


Rotwein ist übrigens gut fürs Blut und dann eben auch für dein Herz. Das Blut fließt dann besser.


Wobei sie auch gerne das Bier mögen. Zwar nicht wie den Wein … aber immerhin.


Und zu guter Letzt: Die Italiener geben kein Trinkgeld. Weil sie bei jedem Essen, das Coperto zahlen (was allerdings für das Brot, Grissini, Oel/Essig und Servietten gilt). Ich habe mich deswegen schon mit einigen gestritten, weil es für mich selbstverständlich ist. Und wenn du es machst, gib es dem Kellner direkt der dich bedient hat. Gibst du es dem Chef, dann kann es sein, dass der Kellner den TIP nie sieht.


Die Italiener essen viel und sind nicht kugelrund


Du wirst dir wahrscheinlich auch schon gedacht haben: “Mann essen die Italiener viel. Und warum sind sie nicht kugelrund???”


Sie achten eben sehr genau darauf, was und welche Lebensmittel sie zusammen verkochen. Oder zusammen essen. “E’ l’abbinamento del cibo che conta!” (Es ist die Kombination der Lebensmittel die zählt). Sprich: Nicht alle Lebensmittel passen zusammen. Wenn du also deinem Magen oder Darm einen Gefallen tun möchtest, achte darauf was du isst und in welcher Kombination.


Gute Ernährungsberater (auch in Deutschland) können es dir ebenfalls bestätigen. Die Italiener machen es allerdings schon seit vielen vielen Jahren so (ohne Ernährungsberater) und sind damit immer gut gefahren.


Als ich nach Italien gezogen bin (nach Ligurien) habe ich ca. 85/87kg gewogen. Nach 3 Monaten in Italien habe ich 15kg abgenommen. Mit viel Radfahren und gesunde Ernährung. Und glaub mir, ich habe viel gegessen. 😆


Die Wichtigkeit des Essens


Ja und warum ist das Essen in Italien jetzt so wichtig?


Wenn du meinen Artikel hier aufmerksam gelesen hast, kannst du es dir wahrscheinlich schon denken: Gutes qualitatives Essen hält Leib und Seele zusammen.


Fakt ist ja, dass wenn du gesund isst, dein Körper dankt es dir. Und du auch wesentlich mehr Energie mitbringst. Du kannst dann, was du isst, auch richtig genießen. Geht es dir schlecht … dann kannst du es nicht wirklich.


Außerdem ist es bewiesen, dass deine Lebenserwartung dann wesentlich höher ist.


Last but not least möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass es keine Spaghetti Bolognese gibt. Punkt! Warum? Kannst du hier lesen.


Buon appetito!


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