Der Mezzogiorno ist Italien

Aktualisiert: 23. Jan.

Du sagst zu mir, dass du in Italien gewesen bist. Am Gardasee.

Sagst du das zu einem Italiener aus dem Süden … er wird dich anlächeln.


Und was er tatsächlich denkt, das erzähle ich dir in dieser Geschichte.



Wer und was ist der Mezzogiorno?

Die südliche Region Italiens wird seit vielen Jahren, genauer gesagt seit 1950 so genannt. Grund war die “Cassa per il mezzogiorno”. Eine finanzielle Spritze vom Staat die bis 1992 anhielt. Der Mezzogiorno galt als Entwicklungsland. Wenig Industrie und Infrastruktur, förderten das Fortgehen der Einheimischen schon lange vor 1950. Keine Arbeit und kein Geld.


Das ist auch der Grund, warum sehr viele Italiener im Ausland ihre Heimat gefunden haben. Sie sind dorthin gegangen, wo es Arbeit gab. Und … bis heute ist es der Fall, dass sie ihre Terra verlassen um leben zu können.


Die meisten Süditaliener, die im Ausland leben, haben Heimweh. Sie vermissen ihr Land, ihre Terra. Die Sonne, die Herzlichkeit, die Familie, das Essen … vielleicht kann man auch sagen, dass es das simple Leben ist, was sie vermissen.


Denn genau das ist er der Süden. Er ist simpel und essenziell. Und doch gibt er dir alles was du für dein Leben brauchst.



Er ist wie ein anderes Land

Solltest du einmal die Möglichkeit haben, mit dem Auto in den Mezzogiorno, des wirklichen Zitronenlandes, zu fahren. Dann wirst du etwas bemerken: Du siehst ein Land was nichts mit dem Norden gemeinsam hat.


Mir ist es ganz besonders aufgefallen, als ich mit dem Auto an der Adriaküste entlang gefahren bin. Gerade die Abruzzen hinter mir gelassen und ich kam in die Region Apulien und ich dachte: Sind wir noch in Italien?


Du siehst unglaublich viele Olivenhaine und mittendrin kleine weiß getünchte Häuser. Ich weiß noch, dass ich dachte ich wäre in Griechenland. Dort ist es ganz ähnlich.


Die Regionen Abruzzo, Puglia, Basilicata, Molise, Campania, Calabria und Sicilia gehören zum Mezzogiorno. Offiziell gehört der Lazio nicht mehr dazu. Aber wenn du einen Norditaliener nach dem Mezzogiorno fragst, wird er dir als Antwort geben: “Alles südlich von Rom.”


Denn auch in Italien gibt es das Nord-Süd-Gefälle. Sie mögen sich nicht besonders (mit einigen Ausnahmen). Die Menschen aus dem Süden werden von den Norditalienern Terroni (Erdlinge) genannt. Der Name ist entstanden, weil die Menschen dort in der Vergangenheit oft als Bauern gearbeitet haben. Also mit der Erde. Denn wie schon gesagt, die Industrie im Süden ist eher rar.


Außerdem sagt man ihnen nach, dass sie nicht arbeiten und faul sind. Das wiederum habe ich nie so empfunden. Sie arbeiten wesentlich entschleunigter und leben dafür länger. Denn Stress macht sich im Süden niemand. Und sie genießen ihr Leben auf eine andere Weise wie im Norden.


Gehst du in Milano in den Strassen spazieren, wo die Büros in Reih und Glied stehen, da hast du schon das Gefühl geklonte Menschen in grauen Anzügen zu sehen. Und das ist noch nicht mal gelogen.



Das Essen im Süden

Ja, das ist hier heilig. Wenn man im Norden schon viel über das Essen spricht (lese auch dazu meine Geschichte), im Absatz des Stiefels noch viel mehr.


Die Mamma oder die Nonna steht am Herd und hat hier das Kommando. Es wird viel Pasta gegessen und sehr viel Gemüse. Der Fisch darf natürlich nicht fehlen. Wie denn auch? Er ist ja gleich um die Ecke. Egal wo du im Süden bist. Aber auch Fleisch, Käse und das Dolce darf ja nie fehlen.


Und das Gemüse und Obst wird hier stagionale (Saison) gegessen. Die meisten haben ihren eigenen Garten. Wenn auch nur klein, aber es ist alles da was der Mensch braucht. Und die Hühner laufen eh frei rum und sind nicht eingezäunt. Der Rest, was man selber nicht hat, wird mit der Familie, Freunden und Nachbarn getauscht.


Auch wenn es im Süden nie viel Arbeit gab, sie wussten sich immer zu arrangieren. Hunger mussten die wenigsten leiden.


Wenn du mal das Glück hast, bei einem Italiener im Süden zuhause zum Essen eingeladen zu werden. Dann bereite dich mental auf viel Essen vor.

Zum Mittagessen: Verzichte auf das Frühstück! So schaffst du als Gast alle Portionen und machst keine brutta figura. Stattdessen beim Abendessen: Kein großartiges Mittagessen und besser kein Snack am Nachmittag. Nach dem Abendessen ist ein Verdauungsspaziergang empfehlenswert. Kann auch um Mitternacht sein, denn man beginnt nicht vor 21.00/21.30 Uhr mit dem Essen.


Bedenke, dass es unhöflich ist eine Einladung von einem Italiener abzulehnen. Sie sind stolz zu zeigen, was sie haben und wie gut sie kochen für ihre Gäste. Und das gilt für ganz Italien.



Das Meer im Süden

Tja das Meer, das ist so speziell. Jedes Mal, wenn ich dort war, habe ich mich gefragt, warum so viele Menschen nach Asien oder in die Karibik fliegen, wenn sie ein ebenso schönes Meer auch hier in Italien haben können.


Das allein ist es wert, im Süden Urlaub zu machen. Glasklares und türkises Wasser, weiße Sandstrände und ein entschleunigtes Dasein.


Okay, die Menschen sind relativ laut, wenn sie sprechen. Man denkt immer gleich, dass sie sich streiten. Dabei ist es die normale Lautstärke eines Gespräches zwischen Italienern. Ich kann es auch inzwischen sehr gut.


Die klassische Familie im Süden geht mit Sack und Pack zum Strand. Wenn sie keine Liegen mit Sonnenschirm im Jahr zuvor für die komplette Saison reserviert haben. Das gilt übrigens auch für den Norden. Auf jeden Fall ist die Kühlbox oder auch zwei mit dabei und dort findest ein komplettes Pranzo für 4-6 Personen.


Und dann gibt es diejenigen, die das Gegenteil praktizieren. Meist sind es Personen die allein zum Strand gehen oder zu zweit. Sie kommen mit Flip-Flops, Badehose oder Bikini und nur einem Handtuch. Irgendwo ist noch die Sonnencreme versteckt und zack zack sind sie im Wasser. Es wird sich ausgiebig im Wasser abgekühlt und anschließend aufs Handtuch. Eingecremt und nach einer 1 Stunde sind sie wieder weg.


Diese Menschen beneide ich, wie sie mit einer Lässigkeit das Meer genießen und sich vom Lärm der anderen nicht stören lassen.


Ja und irgendwo in der Ferne hörst du dann noch jemanden “cocco bello cocco bello” rufen. Das ist der Kokosnuss-Mann der die frischen Kokosnüsse verkauft und es über die Strände hinweg ruft.


That’s amore wie Dean Martin es so schön gesungen hat. Es gibt allerdings ein Lied, was ich dir von Herzen empfehlen kann und dich ein bisschen in das Leben vom Strand in Italien katapultiert: “Cocco Bello” von Silje Nergaard. Traumhaft!


Und in diesem Sinne verabschiede ich mich hier von dir. Viel Spaß beim Träumen vom Zitronenland. 😉🍋


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