Der Herbst ist in Italien nie grau in grau

Aktualisiert: 30. Okt. 2021

Wie habe ich die Novembertage in Deutschland gehasst. Sie waren grau in grau. Die Blätter an den Bäumen schon längst runtergefallen und wie oft hat es genieselt oder gar doll geregnet.


Und wie ist das in Italien?



Die Herbstfarben

Der Ottobre in Italia hat so seinen eigenen Charme. Ganz sicher kann man ihn nicht mit dem Norden Europas vergleichen. Und doch hat er etwas heimeliges an sich.


Anfang Oktober sind die wenigsten Blätter der Bäume vom Herbst verfärbt. Sie sind noch grün. Und die Temperaturen sind noch sehr mild. Man kann manchmal auch noch ein Bad im Meer nehmen.


Wenn dann aber so langsam die Kastanien reif werden und die Weinbauern all ihre Weintrauben geerntet haben … ja dann kann man sicher sein, dass der Herbst seinen Einzug hält.


Und man beginnt im Wald spazieren zu gehen. Auch wenn es in Italien nicht so viele geschobene Waldwege gibt wie in Deutschland. Das ist etwas, was ich sehr vermisse.


Aufjedenfall kann man dann den Wald in seiner Farbenpracht genießen.



Mit den Kastanien kommen die besten Pilze

Wenn es die Kastanien gibt, sind die Pilze nicht weit entfernt. Der Steinpilz, die Pfifferlinge und auch der nicht essbare Fliegenpilz. Und ich glaube, da sind wir uns alle einig, dass es der schönste von allen ist.


Und was dann auch Saison hat, das ist der Trüffel (tartufo). Wobei man von dem schwarzen und dem weißen Trüffel spricht. Der Weiße ist der hochpreisige und er ist schon zu sehr hohen Summen verkauft worden. In Italien gibt es verschiedene Gebiete, wo man ihn findet. Die berühmteste Region ist der Piemont. Aber auch andere Regionen wie die Emilia Romagna, Toskana, Marken, Abruzzen … wobei dort eher der schwarze Trüffel zu finden ist.


Bei welchen Speisen man die Pilze und den Trüffel findet?

Bei den Pilzen ist das Risotto ja das bekannteste Gericht. Aber auch die Fettucine oder die gefüllte frische Pasta wie Tortelloni sind sehr lecker mit den funghi (Pilzen).


Stattdessen der tartufo wird bei vielem verwendet. Wie z.b.: Tagliatelle, Tortelloni, Risotto, Salami oder einige andere Wurstsorten. Es gibt sogar Olivenöl mit Trüffelgeschmack.


Und grundsätzlich wird der Trüffel gehobelt und nie gerieben.

Dazu wird dann ein guter etwas kräftiger Rotwein serviert, wie der Cabernet Sauvignon, Teroldego, Chianti oder Sangiovese (Beide Weine haben die gleichen Rebsorte!), Marzemino ...


Der Herbst ist die Hochsaison der Aperitivi

Wenn der Wein dann geerntet ist und man den ersten Novello trinken kann, dann füllen sich auch wieder die Bars und Enoteca. Und der Aperitivo wird zelebriert mit leckeren Naschereien.


Ganz sicher werden auch viele Spritz getrunken. Aber der Wein hat in Italien immer seinen besonderen Stellenwert. Und das ist gut so. Ist er doch eines der wichtigsten Export und Importgüter Italiens.


Ich behaupte einfach mal, dass es wenige Häuser oder Wohnungen in Italien gibt, wo man abends beim Essen keinen Wein am Tisch stehen hat. Viele kaufen ihn auch direkt beim Weinbauern und füllen ihn in ihrer cantina (Keller) um.


Was ißt man beim Aperitivo?

Das kommt ganz darauf an in welcher Region du dich befindest.

Wenn du in der Emilia Romagna bist, wird viel Mortadella und Prosciutto serviert. In Ligurien bekommst du verschiedenes mit Pesto. Wie z.b. die Crostini oder die Bruschetta (das SCH wird übrigens nicht dabei ausgesprochen, sondern eher wie Brusketta).


Was aber nie fehlt, ist Gemüse und kalte Pasta mit Oliven. Die Tomaten werden eher nur in der Saison benutzt. Es sein denn, es sind die pomodori pachino oder datterino. Die gibt es auch im Winter und sind reich an Aroma.


Auch die Pizza wirst du immer dort finden. Es ist aber nicht die Pizza, die man in der Pizzeria bekommt. Nein, es ist die Blechpizza wie sie die mamma zuhause macht.



Die Herbstfeste in den Hügeln

Und mit dem Herbst kommen dann auch die Dorffeste oder auch Herbstfeste genannt (le sagre d’autunno). Dort werden die typischen herbstlichen Lebensmittel an den Ständen verkauft. Pilze, Trüffel, Salami, Schinken, Kastanien, Wein und auch den Vin brule. Der Vin Brule wird in Italien eher im Piemont im Herbst und Winter getrunken. Dadurch dass der Piemont die Grenzregion von Italien nach Frankreich ist, liegt es nahe dass sie einige französische Rituale haben, was das Essen und die Kultur betrifft.


Bei den sagre d’autunno findet man manchmal auch offene ristoranti. Dort kochen oft noch die nonni (Omas/Opas) und es wird draußen serviert. Man sitzt dann in Jacke und Schal neben Menschen, die man nicht immer kennt. Aber für ein Schwätzchen ist man immer zu haben,... oder?


Jede Region in Italien hat ihr perché

Das ist es was ich in Italien so liebe. Diese Art das Leben so zu leben, wie es gerade kommt. Dem guten Essen eine besondere Bedeutung zu geben und es bewusst zu genießen.

Und auf ihr Land stolz zu sein. Auch wenn es immer mehr von den Menschen gibt, die nicht mehr diese Schönheit sehen.



Und jetzt hast du auch solch einen Appetit auf diese leckeren Sachen und Lust einen tollen Spaziergang durch einen Herbstwald zu machen? Auch wenn du nicht in Italien sein kannst, ich bin mir sicher dass du die Zutaten dazu, bei dir um die Ecke in einem Laden finden wirst.


Ich wünsche dir noch einen tollen Sonntag … alles Liebe aus dem Zitronenland.


Und solltest du mehr Informationen benötigen, dann schreibe mir gerne.


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