Alltagssituationen in Italien

Aktualisiert: 23. Jan.

An was denkst du wenn du den Namen des mediterranischen Landes hörst? Pizza, Cappuccino oder Pasta? Oder gar Paolo Conte wenn er “Via con me” singt? Und um die Ecke wird ein “Ciao bella” gezwitschert?


Ja ja, das alles ist schon ein Teil von dem Land wo die Zitronen wachsen. Aber das ist nicht alles … da gibt es noch so viel mehr.



Der Alltag


Der Caffè


Ich weiß es noch wie heute, was mir damals am meisten von Italien gefehlt hat: Diese Leichtigkeit, wenn ich morgens in die Bar kam und immer beim gleichen Kellner meinen Cappuccio und Brioche bestellt habe. Das war es was mir fehlte. Und nicht die gestylten Cafè’s wie in Deutschland. Nein es waren diese einfachen Dinge, die von allen al banco morgens geteilt wurden. Der Maurer zusammen mit dem Banker, den Caffè schlürfend. Und bitte nicht vergessen, das kleine Löffelchen 100 mal in der kleinen Tasse zu drehen.


Und ohne einen Caffè die Arbeit zu beginnen, das machen eigentlich nur die Hartgesottenen. “Vivi fanciulla! Come si fa lavorare senza bere prima un caffè?” (Lebe Madel! Wie geht das zu arbeiten ohne vorher einen Caffè zu trinken?)


Klar, dass die Arbeit ernst genommen wird. Mit den Diskussionen inklusive, denn die dürfen nicht fehlen. Und werden beendet mit: ”Ma si dai, andiamo prendere un caffè. Offro io!” (Naja gut. Lass uns einen Caffè trinken gehen. Geht auf mich!)


Das Essen


In Deutschland war mir das Essen nicht so wichtig. Und ganz ehrlich ich nahm an, so naiv wie ich war, dass es überall so ist. Das dem nicht so in Italien ist, dass wurde mir am Strand in Ligurien bewusst, wo ich meine Pausen verbrachte.


Während ich auf meinem Handtuch lag, hatte ich die Gelegenheit den Frauen zuzuhören, die sich jeden Nachmittag dort in Gruppen trafen. Mein Italienisch war noch nicht so hervorragend, jedoch begriff ich sehr gut worum es ging: das Essen!


Es wurde jedes pranzo (Mittagessen) zelebriert und selbstverständlich auch die cena (Abendessen). Rezepte ausgetauscht und wer wie und was zubereitete. In den verschiedensten Variationen. Und das über Stunden!


Du musst wissen, dass in Italien zweimal am Tag warm gegessen wird. Also es wird gekocht. Mittags gibt es ein Primo und contorno. Es muss ja schnell gehen … die Pause ist nur 1 Stunde lang. Ansonsten gäbe es auch ein Secondo. Abends dagegen gibt es das Menu completo: Primo, Secondo mit contorno, frutta oder dolce. Der Wein fehlt nie, genauso wenig wie der Caffè.


Um auf die Gruppe von Frauen vom Strand zurückzukommen: den Rezeptaustausch gab es von Montag bis Montag. Vielleicht am Wochenende weniger, wenn die famiglia zuhause war und nicht arbeitete.


Ja und da begriff ich es: das Essen und die Kinder sind das wichtigste in diesem Land. Aber zu den bambini komme ich dann später.


Kennst du den Film “Mamma es schmeckt ihm nicht!”? In diesem Film gibt es eine Episode, die so wahr ist. Wo sie alle am Tisch sitzen und die famiglia isst zusammen. Und er der arme Deutsche kann einfach nicht mehr so viel essen.


Diese Episode hatte ich auch mehrmals und so manches Mal, wusste ich es nicht mehr zu erklären. Wenn man schon satt ist und ein Völlegefühl spürt, das dem platzen eines Luftballons ähnelt.


Diese Frage: “Come, non hai più fame???” (Wie du hast keinen Hunger mehr???) Und ich: “Eh no! Sono sazia!” (Ah nein. Ich bin satt!) Die italienische Mamma Antwort: “Mangia!!! Dai un po’ di formaggio. È buono!!!”(Iss!! Komm ein bisschen Käse. Der ist lecker!!)


Und ich habe immer nur an den Luftballon gedacht, der jeden Moment zu platzen drohte.


Nur … es ist wirklich alles so lecker, dass du es eigentlich nicht ausschlagen möchtest. Und das liebe ich so an diesem Land!




Die Kinder


Glaubst du, dass in Italien viele Kinder geboren werden? Ich behaupte mal, dass es in Dänemark mehr Kinder gibt. Und das liegt sicher an den niedrigen Gehältern hier in Italien.


Und wo liegt der Unterschied zwischen den dänischen und italienischen Kindern? Ganz sicher darin, dass die dänischen Kinder es nicht gewohnt sind bis sie 7 Jahre alt sind, mit der Hand geführt zu werden.


Sicher gibt es auch in Italien Kinder, die relativ frei aufwachsen. Allerdings denke ich, dass es die Ausnahmen sind. Und viele von den Kindern, besonders die Mädchen, haben das Zöpfchen noch genauso auf dem Kopf, wenn die nonna (Oma) das Enkelchen vom Kindergarten abholt. Es gibt auch noch Kindergärten, wo die Kinder Kittelchen anhaben, damit sie sich nicht schmutzig machen. Schmutzig machen ist auch nicht schick. Aber auch die italienischen Kinder mögen es in die Pfützen zu springen.


Und wenn es dann soweit ist, dass die Kinder in die Grundschulen gehen, ist es nicht so, dass sie morgens alleine losziehen bzw. allein nach Hause kommen. Es ist die Pflicht der Eltern die Kinder von der Schule abzuholen. Und die Lehrer behalten die Kinder solange unter ihrer Obhut, bis die Eltern da sind und sie abholen. Auch morgens sind es 95% der Eltern die die Kinder zur Schule bringen und warten bis die Schule dann die Türen schließen.


Die Parks bzw. Spielplätze sind voll mit Kindern … und mit ihren Müttern, die sich über die neuesten Neuigkeiten der Kids, der anderen Eltern usw. austauschen. Auch wenn die Kinder schon relativ groß sind, werden sie nicht alleine gelassen.




Der Aperitif


Eigentlich war der Aperitivo gedacht, um den Gaumen schon mal für das spätere Essen einzustimmen. In der Bar gab es dann einen vinello und ein paar arachide (Erdnüsse) und das wars. Heute dagegen wird ein ganzes Buffet aufgefahren und es wird sich satt gegessen, was das Zeug hält.


Meist trifft man sich nach der Arbeit mit Kollegen oder Freunden in der Bar um die Ecke der Arbeit oder im Zentrum in einem angesagten Lokal.


Ich muss allerdings gestehen, dass es schon toll ist. Und es immer die Möglichkeiten bestehen, dass man Netzwerken kann. Privat wie beruflich!


Das Getränk was am meisten getrunken wird, ist der Spritz (Prosecco mit Aperol oder Campari). Aber auch der Vinello, heute mit Stil und Qualität, hat immer noch seinen guten Ruf. Oder dann gleich den Spumante. Und man trinkt nicht mehr wie 2 Gläser Alkohol.


Meist beginnt man ab 17.30 Uhr bis ca. 21.00 Uhr und dann haben meist die wenigsten noch Hunger für das abendliche zelebrieren der cena.


Anschließend vertritt man sich noch die Füße, um nicht mit zu vollem Magen ins Bett zu gehen. Und da kann es schonmal sein, dass man bei einer Gelateria vorbeikommt.




Das Abendessen


Wer es stattdessen vorzieht zu Hause im Kreise der famiglia zu essen, trifft sich am gedeckten Tisch in der Mitte der Küche. Übrigens steht der Tisch immer in der Mitte der Küche. Er ist sozusagen die Mitte des Geschehens.


Schon beim decken des Tisches ist das televisione Veline Veline(Bikini Mädchen).


Vielleicht schaut man noch ein filmino oder man dreht noch eine Runde um den Block … um nicht den Luftballon im Bauch zu haben.


La cultura di una nazione risiede nei cuori e nell’anima della sua gente. (Mahatma Gandhi)

So gehen dann die meisten Tage in Italien zu Ende.


Und wie du siehst, es dreht sich immer alles um mangiare. Es ist das Thema N°1 hier im Zitronenland.


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